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Eine    der   größten   deutschen  Sprachinseln,  der  Schönhengstgau lag südlich   des   Sudetengebirges    beiderseits  der   

böhmisch-mährischen Landesgrenze. Diese Landschaft durchzogen wichtige Verkehrslinien von Osten und Süden nach 

Böhmen.  

Nur   ein   schmaler   Streifen   tschechischer    Ortschaften    trennte  den Schönhengstgau  im  Norden  und  Osten vom

geschlossenen deutschen Sprachgebiet. Die etwa 280 km lange Sprachgrenze umfaßte eine Fläche von 123000 ha.  In 148 

Gemeinden, darunter die sechs Städte Zwittau, Brüsau Mährisch Trübau,    Landskron,  Hohenstadt  und

Müglitz,  lebten  im  Jahre  1939 über 126000 Einwohner, von denen 84 Prozent deutsch waren.

Die Besiedelung 

Funde  belegen,  daß   der Schönhengstgau  bereits  den  Menschen der Jungsteinzeit als Siedlungs-  und Durchgangsland  

diente.  Um 2000 v. Chr.    Lebten   um  Müglitz Menschen    der Urnenfelderkultur,    deren Hügelgräber (mogil = Grabhügel)  

aller Wahrscheinlichkeit nach  Müglitz den Namen gaben.  

Es  öffneten  vor allem die Täler der Zohsee und der Mährischen Triebe vom Marchbecken her, das Tal der Zwitta vom Brünner  Becken her den Weg über das böhmisch-mährische Hügelland. So ist ziemlich sicher, daß spätere Stämme und Völker, die  Böhmen  und Mähren besiedelten, die keltischen Bojer, Germanen und Slawen, ihren Weg über den Schönhengst genommen  haben.  

Den ersten schriftlichen Quellen nach war der Schönhengstgau um 1000 n. Chr. Nur entlang der Steigen und Wasserläufe dünn 

besiedelt, ansonsten menschenleer. In der zweiten  Hälfte des 13. Jahrhunderts kamen deutsche Siedler aus dem Westen und 

Norden, vor allem aus Mainfranken, auf den Ruf des Königs von Böhmen, Pfemsyl Ottokar II, und des Olmützer Bischofs Bruno 

von Schaumberg ins Land. Sie rodeten den Grenzwald, bauten Städte und Dörfer. Im Auftrag der Obrigkeit und in friedvoller 

Absicht schufen sie aus grüner Wurzel ein blühendes Bauernland.  

Der Schönhengster Mensch 

Die     deutschen    Kolonisten    unterscheiden    sich    schon    in    ihrem Zusammenleben deutlich   von   den   Slawen. 

Hausten  diese  in  ihren Runddörfern eng zusammen, verwischten  sich hier Grenzgemarkungen leicht  zu  einem losen 

Kollektiv, so schieden sich die deutschen Siedler in ihren Waldhufendörfern  sichtlich vom  Nachbarn ab. Sie achteten dessen 

Grenzen,   wollten   aber  auch   die  ihren gewahrt  wissen.  Da wie dort Nachbarschaftshilfe  in  Notfällen,  dort aber eher aus 

dem Instinkt heraus, hier aus Vernuftsgründen, was alsbald zur Ausbildung von 

Organisationen führt.  Diese Neigung, sich  der Umwelt  gegenüber abzukapseln, steigert 

sich noch durch die Gefahren, mit denen eine neue Umgebung aufwartet. Mißtrauen    

gegenüber    Fremden wächst. Vierkanthöfe wie   Burgen verdeutlichen  das Verlangen, sich 

zu schützen. Innerhalb der Familie, die sich um das   schutzbefohlene Gesinde   erweiterte,   

lebten Mundart, Volkslied und Brauchtum über die Jahrhunderte fort. 

Das Schönhengster Dorf

Mit      Ausnahme   weniger    Runddörfer,     die  gerade    in vorhandene Talkessel paßten, 

wurden  im   Schönhengstgau überall Reihendörfer angelegt.  Der  Grundherr schloß   mit  

dem  eigentlichen Dorfgründer, dem   Lokator,  einen   Vertrag ab.  Dieser erhielt   ein 

entsprechendes Ausmaß  an  Land  zugewiesen  und übernahm die Verpflichtung, darauf 

deutsche Bauern anzusiedeln.  

Der  Bach  mit  seinem  lebensspendenden Wasser  bildet die oft mehrere Kilometer  lange   

Achse  eines Schönhengster Dorfes.  Auf der Talhöhe, zu  beiden Seiten des  Baches,  dem 

Wasser  nahe,  doch den Gefahren von Überschwemmungen entrückt,   stehen die 

Bauernhöfe, fränkische Vierkanter.  An  jeden  Hof, der von  Obst- und Gemüsegärten  

umgeben war, schloß sich  in  einem   breiten Streifen das  Ackerland  an, oft von einem    

sanften   Wiesengrund unterbrochen.   Der Wald schloß die Grundstücke ab und bildete die 

Grenze zum Nachbarort.  

Der Lokator, nach dessen Namen das Dorf meist benannt wurde, bekam als Lohn für seine schwierige Arbeit der Dorfgründung 

einige Vorrechte und wurde Erbrichter des Dorfes. Ihm stand der dritte Teil aus den Einnahmen der niederen Gerichtsbarkeit zu. 

Er erhielt eine oder zwei Mühlen und zwei oder drei Zinsbauern, die ihm bei der Feldarbeit helfen mußten. Er konnte sich 

Handwerker vom Schmied bis zum Fleischhauer halten, besaß die Schankgerechtigkeit und mitunter auch das Recht, Bier zu 

brauen. Dagegen mußte er zum Dienst bei der Herrschaft zu Roß oder zu Fuß mit einer Armbrust bewaffnet, bereit sein. Doch 

konnte er für diesen Dienst auch einen geeigneten Mann stellen.  

In jeder gerodeten Landschaft wurde nach einem wohlüberlegten Plan als Mittelpunkt der Verwaltung und des kirchlichen Lebens 

und als Markt eine Stadt angelegt. Ursprünglich waren auch die Bürger der Städte Bauern. Sie übten aber neben ihrer 

Landwirtschaft noch ein Handwerk oder ein Gewerbe aus. Oft waren den Städte zwei oder drei Dörfer rechtlich und wirtschaftlich 

angegliedert.  

Durch  die  deutsche  Ostsiedlung  wurde  eine Brücke zu den slawischen  Völkern  des Ostens geschlagen. Es war eine Brücke  

des   Friedens,  der  Freiheit,   der gegenseitigen Hilfe und    der  Kultur.  Nicht  durch das Schwert   wurde  der Schönhengstgau  

in   Besitz genommen, sondern durch die redliche Arbeit, durch Leid und Tränen.  

Schönhengster Tracht

Ein wesentliches Stück unserer alten, lebendigen Volkskultur ist unsere Tracht. Wenn sie auch in der Heimat nicht mehr 

allgemein getragen wurde, so war sie uns doch in manchen Dörfern, wie in Laubendorf, erhalten geblieben. Unsere Tracht, wie 

sie noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts getragen wurde, bestand bei den Männern aus einer Otternfellmütze, dem 

breiten ledernen Gürtel und hohen Faltenstiefeln. Die Frauen trugen den Bärkittel, einen einfachen, bis zu den halben Waden 

reichenden Wollrock, der an Bändern von den Schultern herabhing. Vor Jahrhunderten war der Bärkittel das Festkleid, später 

wurde er als  

Unter gewand und Hauskleid getragen. Die Feiertagstracht bestand bei den 

Frauen aus dem ,,Hembla", das über dem Hemd getragen wurde. Darüber trug die Frau das wollene, seidene oder samtene, 

silber oder gold- gestickte Leibchen und den perlengestickten ,,Bund" als blitzenden Gürtel. Das Leibchen hatte ein eigenes 

,,Zierbrettchen”, das mit Goldflitter und Perlenstickerei geschmückt war. Über allem wurde der Janker oder auch ein 

Umhängetuch getragen. Die Braut trug den roten Brautmantel und die herrliche formenreiche Goldhaube. Das blumige Kopftuch, 

der ,,Sax“, wurde sehr kunstgerecht um die Stirn ,,geknüpft" und fiel mit zwei Enden schopfig auf die Schultern hinab.  

Zur älteren Männertracht gehörte im Schönhengstgau auch die enganliegende Kniehose aus früher weißem, später schwarzem 

oder gelbem Bocksleder, die auf beiden Seiten mit kleinen gelben Quasten verziert war. Die Strümpfe waren weiß, blau oder 

grau. Die Niederschuhe glänzten im Schmuck großer silberner Schnallen. Die Weste, meist von derselben Farbe wie die Hose, 

zierten walnussgroße Silberknöpfe. Der Gürtel, ,,Beigürtel“ genannt, war acht Zoll breit, aus Kielen von Pfauenfedern verfertigt 

und an den Rändern weiß gestickt. Das geblümte rote oder blaue Halstuch wurde unterm Kinn zu einem Knoten gebunden. Am 

Hochzeitstage trug der Mann zum ersten Male den ,,Schwenker", einen bis zum Boden reichenden Rock aus blauem, 

dunkelgrünen oder braunem Tuch mit zwei Reihen Knöpfen, die bis zu den Knien zugeknöpft wurden. Der Hut war aus grobem 

Filz und zuerst dreieckig. lm Winter trugen die Männer den Zipfelpelz. Beim Wandel der Tracht um 1830 konnten an Stelle der 

Schnallenschuhe auch Röhrenstiefel getragen werden. Der Schoßenrock reichte 1848 noch bis zu den Knien und wurde später 

zum kurzen Janker. Schon 1830 war der Hut ein mächtiger Zylinder. Es wurden aber auch niedrige Hüte und grüne Samtkappen 

getragen.  

Bei der Frauentracht wandelten sich die weißen Puffärmel, bis sie nicht mehr so bauschig waren, dafür aber mit Stickereien und 

Goldborten reich verziert wurden. Das Festkleid aus großblumiger Seide war mit dem weißen Spitzenkragen und den weiten 

Ärmeln in großer Form. An gewöhnlichen Sonntagen wurde zu dem Kleid eine breite Schürze getragen. Die Strümpfe waren rot, 

später auch weiß, statt der früheren Pantoffeln trugen die Frauen Schnallen- Schuhe. Nach 1900 brachte die Jugendbewegung, 

der Erste Weltkrieg und die Fremdherrschaft im Tschechenstaat die Besinnung auf die eigene Art und die Werte der Volkskultur 

und damit auch die Erneuerung unserer Tracht. Es ist ein beglückender Anblick, unsere Jugend an den Schönhengster Tagen in 

ihrer schmucken Tracht tanzen, singen und spielen zu sehen. Von der Volkstracht führt ein gerader Weg zur Volkskunst.  Man 

kann diese Kunst nicht als Nachahmung abtun. Die Volkskunst verhalt sich zur hohen Kunst wie die Mundart zur Schriftsprache. 

Sie ist Quelle und Seitenlauf der hohen Kunst. Ehedem wurde die Tracht im Hause entworfen, genäht und geschmückt. Es war 

vor allem der Schmuck der Tracht, bei dem alle wertvolle Nadelarbeit begann. Was mußte nicht alles gestickt werden? Die 

Spitzenkragen, die Hals- und Taschentücher, die Unterröcke und die Brauttücher. Die Stickerinnen schmückten mit den frischen 

Farben und kunstreichen Mustern ihrer Stickereien die Leibchen der Frauen und die Westen der Männer.  

Wie die Frauen mit der Nadel, betätigten sich die Männer mit dem Schnitzmesser. Ihr Schnitzwerk kam  den Zäunen, 

Schindeln,Giebeln und Glockentürmen zugute. Auch die Arbeit unserer Handwerker, der Zimmerleute, Tischler, Drechsler, 

Schlosser und Steinmetze, kann vielfach als Volkskunst angesprochen werden. Hier sei noch einmal auf unsere Weihnachts- 

krippen verwiesen. Jede Krippe war der Ausdruck der Persönlichkeit ihres Erbauers und doch auch das Abbild unserer 

Landschaft. Schließlich sind auch unsere Volkstänze, vom feierlichen ,,Einzugsstets" über die gemütliche ,,Woaf“ und das 

neckische ,,Rutkatla" bis zum hand- und fußfesten ,,Schustertanz" mit ihren frischen Weisen, ihrer zügigen Musik und den 

anziehenden Tanzformen echte Volkskunst. Es sind die Volkstänze, in denen die Anmut unserer Jugend zur vollen Entfaltung 

kommt.  

Der Schönhengstgau
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Schönhengster Gaulied Zwischen March und Adler breitet sich ein reich begnadet Land, Das den Wandrer, der's durchschreitet, Wie ein süßer Zauber bannt. Segen ruht in jedem Tale, Friedlich grünt's auf Berg und Au. Sei gegrüßt viel tausend Male, Trauter deutscher Schönhengstgau! Unsre holde Muttersprache, Unsrer Ahnen biedre Art Werden unter jedem Dache Wie ein köstlich Gut gewahrt. Mannesmut und Frauenwürde Trägt das Volk dort stolz zur Schau. Bleib des Erdengartens Zierde, Trauter deutscher Schönhengstgau! Und die Mädchen wie die Knaben Uns'rer Zukunft Trost und Hort, Sollen tief ins Herz sich graben Ihrer Väter Losungswort: Strahlt das Glück in goldnem Schimmer, Kommen Tage trüb und grau, Treu verbunden, dein für immer, Trauter deutscher Schönhengstgau! Text: Ottokar Kernstock, Melodie: Rudolf Kunerth
Hermersdorf, ein typisches Reihendorf
©K.Klug
Schönhengstgau